SANKT MARIA MAGDALENA

 
 

Geschichte der Pfarrei Kamenz vom Hochmittelalter bis zur Einführung der Reformation 1565


Im Jahre 2000 feierte die Stadt Kamenz das 775 Jahr der ersten urkundlichen Erwähnung.

Durch den Bischof Bruno II. von Meissen wurde 1225 eine Urkunde ausgestellt, in welcher die erneute Weihe der damaligen Pfarrkirche „St. Philippus und Jakobus“ und ihre Ausstattung dokumentiert wurde.

Somit ist die Pfarrei Kamenz schon älter als 800 Jahre. Es ist davon auszugehen, dass die Stadt Kamenz und damit auch ihre Pfarrei schon um 1190 von dem damaligen Herren von Vesta – Kamenz Bernhard I. gegründet wurde. Die „alte Stadt“ war zu Füßen der Burg, welche auf dem „ Schlossberg“, einer hoch gelegenen Grauwackenklippe im westlichen Teil des „Herrentales“, im Tal der Schwarzen Elster gegründet und unfasste in etwa das Gebiet zwischen der heutigen „Breiten Straße“, der „Hoyerswerdaer Straße (Steinweg) und der „Jahnstraße“- „Hohe Straße“.


Die Pfarrei war unter Bernhard I. mit notwendigen Dingen ausgestattet, wie einem Pfarrhof und Anteilen am Dominikalzehnt. Dieser Pfarrhof ist das Gebiet der heutigen Pfarrei, des Altenpflegeheimes St. Georg, der Berufsschule und der „Spittelmühle“. In diesem Gebiet war mit Sicherheit auch die „Philippus und Jakobus Kirche“, der Standort der heutigen Pfarrkirche „St. Maria Magdalena“. Die Pfarrei war schon im Mittelalter  eine wichtige Institution. In der Urkunde von 1225 wird die Dotierung der Pfarrei erweitert und neu festgelegt, so gehörten 1225 der Pfarrei : 4 Hufen Land bei der Stadt, der Zehnt vom Herrengut, der Dominikalzehnt, der Stadtzollzehnt, der Getreidezehnt von 16 Dörfern, Wald bei Cunnersdorf und Biehla und die „curia in Alt Kamenz“ sowie die „curia“ in der neuen Stadt ( die heutige Pfarrei St. Marien).

Schon vor 1225 muß daher die „Neustadt“ von Kamenz auf dem Gebiet der heutigen Altstadt errichtet worden sein. Die Pfarrkirche blieb zumindest bis 1248 an der alten Stelle.


Die Herren von Kamenz hatten weit ambitionierte Vorstellungen und wollten statt ihrer Territorialherrschaft eine Landesherrschaft erringen. Um diesem Vorhaben näher kommen zu können, wurde 1248 das Kloster St. Marienstern gegründet.

Die Pfarreien Kamenz und Crostwitz wurden dem Kloster inkorporiert. Die Kollatur der Pfarrer ging von den Herren von Kamenz an die Äbtissin von Marienstern.

Die ersten Nonnen kamen wahrscheinlich vom Kloster Nimbschen und lebten im Bereich der „Alten curia“. Dort hatten sie auch ein Kirchgebäude, die alte „Philippus und Jakobus Kirche“, welche aber zumindest ab 1248 den Status als Pfarrkirche nicht mehr besaß. Der Überlieferung zufolge wurde dieses sakrale Gebäude nun eine „Bernhard – Kapelle“. Die neue Pfarrkirche wurde am Standort der heutigen „St. Marien Kirche“ errichtet.


Von 1248 bis 1263 gehörte die Pfarrei Kamenz dem Kloster St. Marienstern“.

Bischof Albrecht II. von Meissen 1258 – 1266 änderte alles grundsätzlich. Die Pfarrei Kamenz bekam einen großen Teiles ihrer Ausstattung wieder und von der Inkorporation nach Marienstern blieb nur das Patronat übrig, die Pfarrer wurden  sowohl vom Meissner Bischof als auch von der Äbtissin von Marienstern eingesetzt und bestätigt.

Der Pfarrer von Kamenz war eine wichtige Person, er wurde „plebanus“ – Volkspfarrer – genannt und neben ihm waren schon im 13. Jahrhundert zwei Kapläne und mehrere Altaristen, also geweihte Priester welche für den Gottesdienst an einem bestimmten Altar verantwortlich waren, in Kamenz tätig.

Die Pfarrei Kamenz wurde im 13. Jahrhundert Sitz eines Erzpriesters, seit 1275 nennt sich der Pfarrer von Kamenz  „plebanus et archipresbyter“. Der Sprengel Kamenz umfasste das Gebiet der Städte Kamenz, Königsbrück, Hoyerswerda, Ruhland, Wittichenau, Pulsnitz und Elstra.

Die Pfarrei Kamenz gehörte zum Archidiakonat Oberlausitz und war von Anbeginn im Bistum Meissen.

Im Jahre 1264 wurde das Zisterzienserinnenkloster St. Marienstern in den Orden der Zisterzienser aufgenommen und die Nonnen zogen von Kamenz in die Klostergebäude in Panschwitz Kuckau. Der vollständige Unzug scheint aber erst um 1284 beendet worden zu sein. Die Gebäude im „Alten Pfarrhof“ standen leer.

Der maßgebliche Förderer der Klostergründung, Bernhard III. von Kamenz wurde im Jahre 1293 Bischof von Meissen. Auf seine Initiative hin wurde auf dem Gelände des dem Kloster Marienstern gehörenden „Alten Pfarrhofes“ 1295 ein Hospital für 16 kranke und sieche Menschen gegründet und das darin liegende „Kirchlein“ von Bischof Bernhard der Heiligen Maria Magdalena geweiht.

Es wurde ein „Messpriester“ eingesetzt, der für alle gottesdienstlichen Handlungen an der Kapelle  verantwortlich war.


Auch die Pfarrei Kamenz war im Mittelalter maßgeblich im Sinne der „caritas“ an sozialen Maßnahmen tätig. Es war ein blühendes religiöses Leben in der Pfarrei Kamenz. Neben der erwähnten „Magdalenen Kapelle“ wurden im 14. und 15. Jahrhundert im Gebiet der Stadt Kamenz noch mehrere Kapellen errichtet und gottesdienstlich genutzt.

Die „St. Jodocus Kapelle“ (St. Just Kirche) mit neuem Hospital, die „St. Jakobs Kapelle“ auf dem Jakobsberg am Strohhof (Goldener Löwe), die „St. Wolfgangs Kapelle“ vor dem Bautzner Tor, die „St. Walpurgis Kapelle“ (Wandelburgis Kapelle genannt) auf dem Heiligen Berg bei Hennersdorf, die Kapelle östlich der Marienkirche (Katechismuskirche) und die Kapellen in der Burg (1432 abgerissen) und im Rathaus.


Die Kollatur (Einsetzung) des höheren Klerus der Stadt Kamenz, des „plebanus (Stadtpfarrer und Erzpriester) und der beiden Kapläne nahmen über das Patronat die Äbtissin von St. Marienstern und der Bischof von Meissen vor. Der niedere Klerus, die Altaristen und Messpriester wurden vom Rat der Stadt Kamenz eingesetzt, bedurften aber in jedem Falle die Bestätigung durch den Bischof von Meissen. Durch den Einfall der Hussiten wurde um 1429 die Stadt Kamenz und auch die neue Pfarrkirche St. Marien zerstört. Zu dieser Zeit war die neue Pfarrkirche noch nicht vollendet, es stand im wesentlichen nur der Hohe Chor mit angrenzenden Kapellen.

Der Bau der neuen Pfarrkirche wurde erst 1480 vollendet. Zwischen 1455 und 1520 war in der Oberlausitz und auch in Kamenz eine wirtschaftliche Blütezeit. Dies wirkte sich auch auf das religiöse Leben in der Pfarrei aus. So wurden mehrere Bruderschaften gegründet, so die Bruderschaft des Hl. Jakobus, die Sebastiansbruderschaft und eine Marienbruderschaft.

Diese Vereinigungen wirkten auch im sozialen Bereich und wurden durch die Pfarrei getragen. Es gab umfangreiche Stiftungen für Seelenmessen, Altargründungen in den Kirchen und Kapellen. Für die gottesdienstlichen Belange an den von den Bruderschaften gestifteten Altären waren die Messpriester zuständig. Es war nicht nur die Feier der Heiligen Messe, sondern zum Gottesdienst zählten die täglichen Gebetszeiten wie Laudes, Matutin, Vesper und Komplet, sowie das Singen von Litaneien.

Die Bruderschaften und Stiftungen waren gegenüber dem „plebanus“ rechenschaftspflichtig.

Mit der Gründung des Franziskanerklosters in Kamenz wurde das religiöse Leben noch reicher.

1508 wurde die Bruderschaft zu St. Anna gegründet. Das Kloster unterstand nicht der Pfarrei Kamenz sondern dem Kapitel der Franziskanerin Böhmen.

Mit der allgemeinen Krise in Deutschland entwickelte sich auch am Anfang des 16. Jahrhunderts eine Krise in der Stadt und der Pfarrei Kamenz.


Ausgehend von Wittenberg kam die politisch ideologische Bewegung des Protestantismus auch in unser Gebiet. 1527 soll die erste protestantische Predigt durch den Prädikanten Johannes Ludwig, welcher als Kaplan in der Pfarrei tätig war, gehalten worden sein

Der letzte „plebanus“ war der Stadtpfarrer Dr. Gregor Günther, der Vater (!!) des bekannten Kamenzer Bürgermeisters Dr. Andreas Günther.

Mit seinem Tode im Jahre 1536 wurde durch den Rat der Stadt Kamenz die Einführung des Protestantismus in Kamenz verfügt, die katholische Pfarrei war erloschen.

Durch das Franziskanerkloster wurde noch eine zeitlang katholisches Leben in Kamenz aufrecht erhalten. Besonders der in Sagen und Legenden bekannte „Kluge Mönch“ Matthes Rudolph bemühte sich um die Erhaltung des Glaubens, er war wahrscheinlich nicht nur ein hochgelehrter Mensch , sondern auch ein berühmter Prediger. Der Rat der Stadt beschwerte sich darüber, dass der Mönch durch seine Predigten viele Menschen wieder zum „Papismus“ gebracht hätte.

Mit seinem Tode 1565 war das katholische Leben in Kamenz für viele Jahre beendet.

Im Spittelvorwerk war die kleine Maria Magdalena Kapelle noch vorhanden, das Vorwerk war im Eigentum des Kloster St. Marienstern. In dieser Kapelle durfte aber nur einmal im Jahr die Heilige Messe gefeiert werden, am Tag der Maria Magdalena.

Schon 1542 wurden mehrere Kapellen abgerissen, so die St. Jakobs Kapelle, die St. Wolfgangs Kapelle und die St. Walpurgis Kapelle. In allen Kamenzer Kirchen wurden protestantische Gottesdienste gefeiert, Katholiken erhielten kein Bürgerrecht in Kamenz.


Erst in der zweiten Hälfte des19. Jahrhunderts wurde eine katholische Pfarrei wiedererrichtet, im Jahre 1869 die Pfarrei St. Maria Magdalena im Spittel.

Formell war erst im Jahr 1902 durch die Eingemeindung des Dorfes Spittel die Pfarrei wieder in der Stadt Kamenz.


Es ist dies nur ein kurzer Abriß der Geschichte der Pfarrei Kamenz. Besonders für die frühe Zeit im 12. und 13. Jahrhundert gibt es wenig urkundliche Belege. Es lassen sich aber interessante Rückschlüsse auf ein reiches und erfülltes religiöses Leben über viele Jahrhunderte in der „Alten Pfarrei“ finden.

Diese guten Traditionen gilt es teils wieder zu erkennen und mit Leben zu erfüllen oder weiter zu erhalten.


Jörg Bäuerle

 

Aus der Geschichte unserer Pfarrgemeinde

Katholische Pfarrgemeinde Kamenz/Sa.